Giropay: ein anderes Wort für Vorkasse
Der Heise Newsticker berichtet über ein Vorhaben der Postbank, Sparkassen und VR-Banken namens Giropay. Kunden sollen damit in die Lage versetzt werden, Überweisungen direkt als Bestandteil des Kaufprozesses auszuführen.
Wie das Ganze funktionieren soll, können Sie schonmal in der efiliale der Deutschen Post ausprobieren - falls Sie ein Postbankkonto mit Onlinebanking haben und z.B. Briefmarken brauchen - dort wird ein ähnliches Verfahren schon länger angeboten.
Im Prinzip öffnet sich im Bestellvorgang ein weiteres Fenster der Bank, in welchem Betrag und Verwendungszweck schon voreingetragen sind. Der Kunde muss dann “nur noch” seine PIN und TAN eingeben, damit der Betrag überwiesen wird.
Giropay soll zunächst mit eBay bzw. PayPal gestartet werden. Ob und wann “normale” Onlinehändler das Verfahren nutzen können, ist noch nicht bekannt.
Als Vorteil für Onlinehändler wird angeführt, dass diese schneller Ihr Geld erhalten würden.
Über Nachteile schweigen sich die Beteiligten natürlich aus, daher stelle ich mich als Bedenkenträger zur Verfügung:
- ein externes Fenster während des Bestellprozesses stellt eine erhebliche Störung im Bestellablauf eines Shops dar. Sehr fraglich, ob tatsächlich weniger Warenkörbe unbezahlt verlassen werden (wie es der PayPal Vertreter im Heise-Beitrag verspricht).
- die Banken werden sich die Händler-Teilnahme am Giropay-System wenigstens transaktionsweise bezahlen lassen - diese Art der Vorkasse wäre dann für den Händler nicht mehr kostenlos.
- die Akzeptanz von Onlinezahlungen soll dadurch erhöht werden, dass der Kunde in von einer Shopanwendung geöffneten Fenstern höchstsensible Daten wie PIN und TAN eingibt… ?
- der Vorteil für den Kunden lautet nochmal wie… ?
- es gibt wesentlich mehr Banken in Deutschland, als die beteiligten. Giropay ist eine weitere Insellösung, auch wenn die Insel (mit angeblich 80% der deutschen Privatkonten) recht gross ist.
Vorteile für H�ndler und Kunden sehe ich bestenfalls bei On-Demand-Produkten (Downloads, Ebooks, Onlineservices) als Ersatz für Kreditkarten, deren Akzeptanz in Deutschland leider recht niedrig ist.
Für den Vertrieb materieller Güter - also die wo mit Paket verschickt werden
- sehe ich keine Vorteile. Letzendlich werden die technische Umsetzung und das Marketingbudget über die Akzeptanz von Giropay entscheiden …




Anonymous schrieb:
Hi. Ein ausgewogener Bericht ist mehr Wert. Also stelle ich mich f�r die Gegenperspektive zur Verf�gung. Ich beziehe mich in der Reihenfolge auf deine Punkte.
1. giropay ist ein abgeschlossener Zahlvorgang (siehe Demo auf giropay.de). Ein externes Fenster ist ein absolutes no-go im eCommerce (”no-pop-ups”) und wird in giropay nicht verwendet.
2. Welches Zahlverfahren ist denn f�r H�ndler kostenlos? Also ohne Interchange, Transaction fee oder Einlagen im Risikoportfolio? Ich kenne kein prominentes. Bleibt abzuwarten, ob giropay konkurrenzf�hige Preise hat.
3. “H�chstsensible” Daten wie beispielsweise EC-Karten Nummer oder PIN speichern die meisten normalen B�rger inzwischen auf ihrem Handy ab. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass jede SSL Version ist besser zur Absicherung von PIN/TAN geeignet ist als ein Bluetooth-Handy.
4. Vorteil f�r den Kunden: Schnelle �berweisung. Fast jeder 2Mbit-Junkie beschwert sich �ber die 3 Tage, die seine Bank mit der �berweisung spielt. Dauer der Giropay-�berweisung: immediately. Es liegt dann am H�ndler, ob er genauso schnell die Ware sendet. Man wird es erleben m�ssen …
5. Es gibt zwar viele Banken, aber auch ich war erstaunt, als ich mir die Marktanteile anschaute: Die Fettesten sind numal die Sparkassen (35%). Zusammen mit Volksbanken und Postbank bringts das schon auf die Hauptmasse (www.dsgv.de). Die Frage ist doch: Was war zuerst da, Henne oder Ei? Genug H�ndler oder genug Banken? - Total egal, giropay startet mit beiden.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Good luck, giropay!
MfG
Geschrieben am 13. Februar 2006 um 22:09Uhr | Permalink
onlineshopberater schrieb:
Der ausgewogene Bericht steht bei Heise, ich kann die H�ndler-/Kundensicht einnehmen
Aber danke f�r die andere Perspektive!
Das Neue an der Zahlart - der Vorteil, auf den alle gewartet haben - fehlt mir aber immer noch (ich h�re niemanden “Na endlich…!” rufen).
Als Alternative zu KK-Zahlungen bei On-Demand-Produkten finde ich Giropay wie gesagt sinnvoll. F�r physikalische G�ter bleibt es fraglich ob der Vorteil der sofortigen Transaktion f�r den Durchbruch ausreicht - ja, die Zukunft wird’s zeigen.
Geschrieben am 13. Februar 2006 um 22:59Uhr | Permalink
Anonymous schrieb:
Ja, so unrecht hast du nicht. Das “Na endlich!” bleibt mit Sicherheit im Moment noch aus, weil ab 23. Februar erst der eigentliche Start f�r PayPal-User ist, so steht es zumindest in der Presse. �berlicherweise schaltet man eine handvoll Beta-User vorher frei, vielleicht findest du noch einen. Sonst warten bis zum 23. Ich bin �brigens �berzeugt, dass es den “Aha!”-Effekt dann geben wird.
Abwarten.
MFG
Geschrieben am 15. Februar 2006 um 23:23Uhr | Permalink
Uwe schrieb:
Also mich begeistert seitens Giropay auch nichts wirklich! Und schon der Umstand von wem das Ganze angeleiert wird, läßt mich eher skeptisch werden/sein, denn diese Institute sind im Endeffekt doch eher auf IHREN Vorteil bedacht …
Geschrieben am 13. Oktober 2006 um 06:54Uhr | Permalink